Tick-Tack, der Kaffee läuft und das System hinkt – Ein ganz normaler Donnerstagvormittag

Moin moin, liebe Leser,
heute nehme ich euch mal mit in das ganz normale Wahnsinnskarussell, das sich schlicht und ergreifend „unser Alltag“ nennt. Eigentlich war der Plan für heute Morgen glasklar: Um 9:45 Uhr sollte es zum Arzt gehen. Akuter Schwindel, die alte Geschichte nach meinen zwei Schlaganfällen hat mal wieder Hallo gesagt. Wer das kennt, weiß: Da wird einem nicht nur im Kopf schwummrig, da rutscht einem auch erst mal das Herz in die Buchse. Der Koffer war also gepackt, die innere Uhr auf Abflug gestellt.
Und dann? Der klassische Dämpfer vom Arzt: „Kommen Sie bitte erst um 14:00 Uhr.“
Klasse. Man sitzt da, angezogen, das Bett gemacht, innerlich auf Bereitschaft – und wird mal eben um gut vier Stunden nach hinten verschoben. Aber es kommt noch besser: Um 14:00 Uhr kann meine Betreuerin nicht mehr, die mich eigentlich begleiten sollte. Da stehst du dann erst mal da wie bestellt und nicht abgeholt.
Im ersten Moment schießt einem natürlich das Blut in den Kopf. Da denkt man sich: „Typisch. Läuft das jetzt darauf hinaus, dass ich wieder ins Krankenhaus fahren muss?“
Und da sind wir auch schon beim eigentlichen Knackpunkt, den wahrscheinlich viele von euch da draußen teilen. Krankenhaus? Im Moment? Da schüttelt es mich. Wenn man heute ins AKH oder sonst wohin fährt, weiß man doch genau, was einen erwartet: Du wirst erst mal auf den Gang geschoben und fertig. Die Zeiten, in denen man noch in Ruhe ins Krankenhaus fahren konnte, sind leider vorbei. Es fühlt sich alles nur noch wie eine Fabrik an, in der aufs Geld geachtet wird und der Mensch am Ende des Bandes oft nicht mehr viel zählt. Das ist die bittere Realität, die man einfach mal so gelassen aussprechen muss, auch wenn es wehtut. Die Wahrheit ist eben kein Kuschelkissen.
Aber wisst ihr was? Ein echter Wilhelmsburger geht wegen so einem Gegenwind nicht unter.
Was macht man also in so einer Situation? Man drückt die Pausentaste im Kopf. Man schaltet den Fernseher ab (weil man für die heile Welt im TV eh keine Ruhe hat) und schlurft im absoluten Super-Schneckentempo in die Küche. Kaffee aufsetzen. Denn ein guter Kaffee tut bei mir immer gut – da kann die Welt da draußen noch so schief hängen.
Man sitzt dann da, beobachtet das „Tick-Tack“ der Uhr und sagt sich: „Weißt du was? Jammern nützt überhaupt nichts. Es wird da draußen eh schon wegen jedem kleinen bisschen gejammert, da muss ich mich jetzt nicht auch noch einreihen.“ Bloß kein zusätzliches Öl ins Feuer gießen, das brennt heute Morgen auch so schon ungemütlich genug. Stattdessen hält man die Ohren steif und wartet auf die Verstärkung.
Jetzt ist es gleich viertel vor zehn. Meine Betreuerin schließt gleich die Tür auf. Dann sind wir zu zweit, schmeißen die Sorgen in einen Topf und machen zusammen einen Plan – ob wir dem Hausarzt am Telefon jetzt die Hölle heißmachen oder doch mit dem gepackten Koffer losziehen.
Egal wie es ausgeht: Das Schiff bleibt auf Kurs.
In diesem Sinne: Haltet die Ohren steif, lasst euch vom System nicht unterkriegen und trinkt erst mal einen Kaffee!
Euer Thomas
